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Die Räder am Laufen halten – die technische Betriebsführung bei Windwärts

02. März 2018 – 12:25 Uhr
von Silvia Augustin
zu  Windwärts – Einblicke ins Unternehmen

Strom kann nur produziert werden, wenn die Windparks laufen. Dafür sorgt bei Windwärts die technische Betriebsführung. In einer neuen Serie berichtet unser technischer Leiter Daniel Schmitz von täglichen Aufgaben und ungewöhnlichen Ereignissen. In dieser ersten Folge stellen wir ihn und seine Abteilung im Interview vor.

Zur Person: Daniel Schmitz arbeitet seit 2009 als Leiter der technischen Betriebsführung bei Windwärts. Der 41-jährige ist gelernter Elektroinstallateur und begleitet die Windenergiebranche seit 2003.

Windwärts: Wie bist Du zur Windenergie und zu Windwärts gekommen?

Daniel Schmitz: Zur Windenergie bin ich gekommen, nachdem ich bei meinem früheren Arbeitgeber im Sondermaschinenbau festgestellt hatte, dass ich da eigentlich alle Positionen erreicht habe: Projektentwicklung, Prototypenbau, Montage, Inbetriebnahme beim Kunden und zum Schluss dann die Inbetriebnahme und Qualitätssicherung im Werk. Ich hatte eigentlich einen Job, den ich noch bis zur Rente hätte machen können. Aber ich hab mir gedacht, mit 25 Jahren die ich zu dem Zeitpunkt war, kann es das noch nicht gewesen sein. Ich habe dann einen Betriebsrat gegründet, um zu schauen, ob mich das im Arbeitsleben glücklich macht. Da war dann aber der Arbeitgeber nicht so sehr begeistert,  sodass ich mir schlussendlich etwas anderes gesucht habe.

Zu dem Zeitpunkt hatte die Firma Vestas in ihrer gesamten Flotte einen großen Wartungsrückstand. Die brauchten dringend Leute, und so habe ich dort als Reisekundendienstmonteur im Service angefangen. Damals gab es keine Spezialisierung, sondern jedes Serviceteam hat alles gemacht. Man hat also Großkomponenten wie Rotor, Flügel oder Getriebe genauso gewechselt, wie man sich um die Datenfernübertragung und SCADA-Systeme, Störungsbehebungen generell und Wartungen gekümmert hat. Das war eine sehr intensive und lehrreiche Zeit, weil der Einblick in alle Komponenten der Windenergieanlagen so detailliert war. Ich war allerdings sehr erschrocken, dass in den Windenergieanlagen zu jener Zeit Technik installiert wurde, die wir im Sondermaschinenbau schon seit ca. zehn Jahren nicht mehr eingesetzt hatten. Mit der Windenergie „infiziert“ hat mich insbesondere der Zusammenhalt unter uns Servicemonteuren. Die Bereitschaft eine Anlage wieder zum Laufen zu bringen, auch wenn es schon weit nach 18:30 ist, hat mich einfach begeistert. Das war mein Einstieg in die Windenergie.

Du bist Abteilungsleiter hier bei Windwärts für die technische Betriebsführung. Was genau macht denn die technische Betriebsführung?

Die technische Betriebsführung kümmert sich in erster Linie darum, dass die Windenergieanlagen genau das tun, was sie tun sollen, nämlich Windenergie in elektrische Leistung umwandeln. Wir kümmern uns also um alles, was mit dem Betrieb der Anlagen zu tun hat. Viele denken: „Eigentlich brauche ich gar keine technische Betriebsführung, weil ich einen Instandhaltungsvertrag mit einem Wartungsunternehmen abgeschlossen habe.“ Aber das Wartungsunternehmen wartet in der Regel nur die Anlage und nicht mehr. Und eine Windenergieanlage besteht nicht nur aus der eigentlichen Windenergieanlage als Erzeugungseinheit (EZE), sondern auch aus den Mittelspannungskabeln zum Netzverknüpfungspunkt. Dort gibt es zum Beispiel die KÜS, also eine Kundenübergabestation, in der ein Netzschutzgerät dafür sorgt, dass die angeschlossenen Windenergieanlagen bei Netzstörungen abgeschaltet werden. Das muss auch alles mit instand gehalten und überwacht werden. Man hat also relativ schnell einen Bereich, der nicht abgedeckt wäre, wenn es keine technische Betriebsführung gäbe.

Genauso ist es mit Meldungen von Anwohnern, zum Beispiel wenn die Schattenwurfabschaltung nicht richtig funktioniert. Dann muss natürlich sofort jemand erreichbar sein, damit die Einstellungen geprüft und ggf. geändert werden. Dafür sind wir da. Wir sind auch der Ansprechpartner für Kommunen, wenn etwa eine Baugenehmigungsbehörde sagt, sie möchte einen Nachweis, dass eine Eisansatzerkennung richtig eingestellt ist. Oder jetzt aktuell das Thema mit dem Wegfall des ISDN-Netzes und der damit in Zusammenhang stehenden Installation von Digitaler Datenverbindungstechnik zu den Anlagen. Wir haben bei uns in der technischen Betriebsführung ein tieferes Anlagenverständnis als das ein oder andere Instandhaltungsunternehmen und können daher die Anforderungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie umsetzen, ohne extern zusätzliches Know-how einkaufen zu müssen.

Wir kümmern uns auch um Mittelspannungsschalthandlungen, also wenn das Stromnetz mal ausgefallen ist und wieder eingeschaltet werden muss. Und wir sorgen dafür, dass der Eigentümer der Windenergieanlage in regelmäßigen Abständen ein Reporting bekommt. Darin dokumentieren wir, was die Windenergieanlage für Probleme gehabt hat, wie die Performance ist im Vergleich zu anderen Anlagen. Wir liefern auch eine wirtschaftliche Analyse für die folgenden Monate. Dazu kommen dann noch solche Sachen wie das Beauftragen von Sachverständigengutachten, wenn Mängel in den Anlagen gefunden werden. Wenn sich zeigt, dass der Hersteller den Zustand, den er eigentlich versprochen hat, nicht eingehalten hat, gehen wir auch zusammen mit den Sachverständigen gegen die Hersteller vor.

Was ist bei Euch in der technischen Betriebsführung die größte Herausforderung? Oder ist das von Anlage zu Anlage verschieden?

Die Herausforderung betrifft eigentlich zwei Seiten.

Auf technischer Seite sorgen wir jeden Tag aufs Neue dafür, dass die Anlagen wirklich laufen und reagieren schnell, wenn mal eine ausfällt. Zu unserem Tagesgeschäft gehört es auch, ganz flexibel auf alles zu reagieren, was da sonst so reinkommt. Das geht von einfachen Meldungen, dass sich Servicemonteure an- und abmelden, wenn sie die Instandhaltungsmaßnahmen an den Anlagen durchführen, bis hin zu Genehmigungsbehörden, die einem eine Stilllegungsverfügung ins Haus schicken, weil sie festgestellt haben, dass sich Teile vom Rotorblatt gelöst haben.

Die zweite Seite betrifft die Organisation dieser über 200 Prozesse, damit unsere Mitarbeiter diese Aufgaben innerhalb Ihrer Arbeitszeit ausführen können. Wir verbessern uns kontinuierlich, sowohl aus eigenem Antrieb, aber natürlich auch, weil der Kostendruck hoch ist. Wir alle arbeiten hier, weil wir Menschen sind, die mit ihrer täglichen Arbeit zu einer saubereren Welt beitragen möchten, aber natürlich muss die Wirtschaftlichkeit trotzdem stimmen – für alle Beteiligten. Wir möchten ja auch ein Gehalt zahlen, von dem unsere Mitarbeiter leben können.

Wie viele Anlagen hat denn Windwärts in der technischen Betriebsführung?

Wir betreuen inzwischen mehr als 270 Windenergieanlagen und so um die 25 Photovoltaikanlagen.

Betriebsführer gibt es viele am Markt. Was ist das Besondere an der Betriebsführung von Windwärts?

Das Besondere bei uns ist, dass wir eine sehr hohe Transparenz an den Tag legen und unseren Kunden zeigen, dass wir in ihrem Dienst handeln. Ich war früher, nach meiner Zeit bei Vestas, noch bei zwei anderen technischen Betriebsführern, habe also beide Seiten kennengelernt – erst als Servicemonteur beim Hersteller, dann in der Betriebsführung. Ich habe also bei drei Unternehmen Erfahrungen gesammelt, wie der Kontakt mit dem Kunden abgewickelt wird, und ich glaube, Windwärts zeichnet aus, dass dem Kunden der Zugriff auf alle Daten, die ihm gehören, tatsächlich auch gegeben wird.

Unsere Kunden können sich durch moderne Medien wie ein online-gestütztes Betriebsführungssystem und eine mobile Handy-App jederzeit ein Bild darüber machen, wie die Anlage gerade läuft. Jeder Kunde hat einen persönlichen Ansprechpartner, der ihn über die gesamte Laufzeit der Verträge betreut und ständig erreichbar ist. Wir passen auch den Leistungsumfang unserer Verträge an. Wenn also ein Kunde sagt, er möchte von uns nicht das vollumfängliche Betriebsführungspaket, weil er einen Teil selbst erledigen kann, dann bekommt er auch nur den Teil, den er haben möchte. Diese Modularität der Betriebsführung ist ebenfalls etwas, das Windwärts auszeichnet.

Zudem sind bei Windwärts ausschließlich Elektrofachkräfte für die technische Betriebsführung der Windkraftanlagen zuständig,  sodass dieses angeblich neue Thema „Gefährdungsbeurteilung erstellen und Anlagenverantwortung gemäß DIN VDE übernehmen“ für uns seit eh und je eine Selbstverständlichkeit ist. Das hat bei uns eher für ein bisschen Verwirrung gesorgt, dass da bei so vielen anderen im Markt eine völlig offene Flanke ist. Wir nutzen ein integriertes Managementsystem für die technische Betriebsführung, wir haben ein Arbeitsschutzmanagementsystem über das gesamte Unternehmen, wo Themen wie Anlagenverantwortung, Gefährdungsbeurteilung, Handlungsanweisungen und Unterweisung in die entsprechenden Arbeiten, also das ganze Thema Arbeitsschutz, seit Jahr und Tag gelebt wird. Das ist für uns absolut essenziell.

Welche Voraussetzungen sollte ein technischer Betriebsführer bei Windwärts denn mitbringen? Ihr seid ja gerade auf Wachstumskurs in Eurer Abteilung.

Technische Betriebsführer müssen per se Elektrofachkräfte sein, denn es handelt sich bei Windenergieanlagen um abgeschlossene elektrische Betriebsstätten, also ist es sinnvoll, eine elektrotechnische Ausbildung absolviert zu haben. Ein Studium ist da fehl am Platz, man muss tatsächlich handwerklich wissen, was eine elektrotechnische Maschine ist und muss da auch mal wortwörtlich Hand anlegen können, um Vibrationen beim Testlauf zu spüren und einschätzen zu können. Wenn man bei der Sichtinspektion in der Anlage ist, muss man wissen, dass eine Generator DE-Seite vorne ist und nicht hinten. Man sollte auch eine gewisse Affinität zum Maschinenbau mitbringen. Da eine Windkraftanlage zudem hydraulische Systeme hat, sollten die ebenfalls nicht fremd sein. Aber Hydraulik und Maschinenbau sind ja wichtige Themen in der Ausbildung für Elektrofachkräfte. Deswegen ist die Handwerksausbildung ja so vielfältig und dauert dreieinhalb Jahre. Wenn man dann neben der technischen Seite noch das Interesse für Verträge, privates und öffentliches Recht mitbringt und eine Affinität für das Arbeiten mit Computern hat, passt es perfekt. Eine Ausbildung zur Elektrofachkraft, dann noch mit mehrjähriger Berufserfahrung im Bereich Service und Maschinenbau – das ist die ideale Voraussetzung für einen technischen Betriebsführer bei Windwärts.

Wie arbeitet ihr neue Kollegen denn ein? Wie sieht das konkret aus?

Bewerber werden zunächst einmal untersucht, ob sie der körperlichen und psychischen Belastung dieses Jobs gewachsen sind. Das umfasst bei uns die G 41-Höhentauglichkeitsuntersuchung. Wenn diese „Einstiegshürde“ bestanden ist, können sie überhaupt erst eingestellt werden. Dann folgen die Arbeitssicherheitsunterweisungen, damit die neuen Kollegen wissen, wie sie sich hier im Gebäude, an einer Windenergieanlage, an einer PV-Anlage bewegen können. Was muss ich da tun, was kann ich tun, was darf ich nicht tun? Sie werden schließlich an einer Windenergieanlage in der Anwendung der Höhenrettungs- und Sicherungsgeräte geschult, sodass es unseren technischen Betriebsführern jederzeit möglich ist, sich selbst und den jeweiligen Kollegen zu retten.

Wenn dieses ganze Paket durch ist und die Kollegen ihren Arbeitssicherheitspass haben, geht es mit unserem Betriebsführungsprogramm weiter. So können sie sehen, wie die Anlagen überwacht werden, was es für Verhalten bei den Anlagen gibt, wo welche Anlagen stehen, welche Adressen und Dokumente für den Betrieb relevant sind, wie der Stand zu gefundenen Mängeln ist usw. Das ist dann ein kontinuierlicher Prozess: Sie lernen durch den Umgang mit dem Datenbanksystem immer mehr die Vorgänge der technischen Betriebsführung kennen. Und natürlich gibt es ein Managementhandbuch, in dem die Kollegen nachlesen können, wie die Prozesse grundsätzlich angelegt sind. Bei den ganzen Aufgaben, die so am Tag bewältig werden müssen, ist es gerade für neue Mitarbeiter schwierig zu entscheiden, was dringend, was wichtig und was dringend und wichtig ist. Auch da geben das Managementhandbuch und zusätzlich eine Prioritätenliste Orientierung. So wächst man nach und nach in die Arbeit des technischen Betriebsführers hinein.

Zugleich fährt man regelmäßig mit den erfahrenen Kollegen raus, um Sichtinspektionen an den Windenergieanlagen zu machen, auch mal mit den Sachverständigen zusammen. Und irgendwann, wenn man soweit ist, bekommt man ein Projekt übertragen. Für dieses Projekt ist der Kollege dann für den gesamten Part der technischen Betriebsführung eigenverantwortlich zuständig.

18. Juni 2018 – 11:54 Uhr
von Silvia Augustin
zu  Windwärts – Einblicke ins Unternehmen

Strom kann nur produziert werden, wenn die Windparks laufen. Dafür sorgt bei Windwärts die technische Betriebsführung. In einer mehrteiligen Serie berichtet unser technischer Leiter Daniel Schmitz von täglichen Aufgaben und ungewöhnlichen Ereignissen.

  • In der ersten Folge haben wir Daniel Schmitz und die Abteilung technische Betriebsführung bei Windwärts vorgestellt.
  • In der zweiten Folge beschreibt Daniel, wie sich seine Arbeit im Laufe der Jahre verändert hat und wagt einen Blick in die Zukunft.

Daniel Schmitz: Die technische Betriebsführung hat im Laufe der Zeit viele neue Aufgaben bekommen. Früher wurden die Windparks einfach überwacht: Regelmäßig Sichtinspektionen durchführen, Fristen für die wiederkehrenden Prüfungen einhalten und  Wartungsunternehmen kommen lassen. Das war das Tagesgeschäft. Die rasante Entwicklung der Anlagentechnik merken wir in der technischen Betriebsführung deutlich. Früher hat eine Windkraftanlage pro Tag zwei oder drei Meldungen abgesetzt. Heute sind es pro Tag zwei- bis dreihundert Meldungen. Jedes Projekt hat inzwischen sehr individuelle Anforderungen. Schließlich machen unsere regenerativen Energieanlagen inzwischen einen wesentlichen Bestandteil des Kraftwerkparks im europäischen Stromnetz aus.

Gewachsen ist auch der Dokumentationsaufwand z.B. in Hinblick auf diverse Auflagen. Kraniche, Feldhamster, Fledermäuse, Schall, Schattenwurf und Flughinderniskennzeichnungen sind wichtige Themen. Wir müssen strenge Auflagen einhalten. Viele Behörden verlangen in regelmäßigen Abständen detaillierte Informationen darüber, wie wir das umsetzen.

Was sind Subsysteme und was können diese leisten?

Daniel Schmitz: Vergleichsweise neu ist z.B. die Eisansatzerkennung. Wir überwachen, ob sich im Winter Eis an den Rotorblättern bildet. Das Eis stört die Anlage und wird im schlimmsten Fall abgeworfen und damit zur Gefahr für die Umgebung. Die Eisansatzerkennung oder andere zusätzliche Überwachungsaufgaben werden oftmals über Subsysteme realisiert. Diese gehören nicht direkt zur Anlagensteuerung, sondern laufen parallel und greifen im Zweifelsfall ein. Es gibt Anlagen ohne eigene Eisansatzerkennung – das Subsystem wird bei einem Dritten eingekauft. Das System gibt dann eine Meldung raus: Eisansatz ja oder nein. Die Anlagensteuerung reagiert darauf, aber ob das Subsystem richtig funktioniert, weiß oftmals nicht mal der Hersteller. Dann ist die technische Betriebsführung manchmal schneller als er darüber im Bilde, was die Subsysteme können und was nicht. Bei der Anlagenüberwachung gibt es also eine ganz große Bandbreite an Themen, die wesentlich umfangreicher sind als früher.

Mehr Professionalität sorgt für neue Aufgaben

Auch das Reporting hat sich extrem gewandelt. Früher war es darauf ausgelegt mitzuteilen, wie viele Kilowattstunden die Anlage gemacht hat. Wir haben mit der Prognose verglichen, wie viele Kilowattstunden sie eigentlich hätte machen können, und die wesentlichen Störungen dokumentiert. Heutzutage ist das Reporting viel ausgefeilter. Es gibt zum Beispiel Kunden, die eine Komponentenanalyse verlangen, um zu erkennen, welche Bauteile am häufigsten ausfallen und präventiv getauscht werden sollten. Diese umfangreiche Kombination aus Komponentenanalyse, Fehlerstatistik und Reporting ist auch der Tatsache geschuldet, dass sich die Branche professionalisiert hat. Inzwischen sind ganz andere Teilnehmer im Markt als vor zwanzig Jahren. Früher war der typische Anlagenbetreiber der Landwirt oder eine Gruppe von Betreibern, die sich gesagt haben: „Lass uns doch mal Windkraft machen, klingt irgendwie nach einer coolen Sache.“ Alle haben ein bisschen Geld in die Hand genommen und eine kleine Anlage gebaut. Das waren in der Regel Anlagen mit einer Leistungsklasse zwischen 50 und 250 kW. Heute leisten moderne Anlagen mehrere Megawatt. Auch sind relativ viele institutionelle Investoren auf den Plan getreten, deren Fokus auf der Renditeerwartung liegt. Für uns in der technischen Betriebsführung sind damit neue Herausforderungen verbunden. Diese Kunden haben ganz andere Anforderungen an ihre Berichtserstellung, die ihren Branchenvorgaben folgen muss. Ob diese Vorgaben sinnvoll sind oder nicht ist dabei leider oftmals zweitrangig. Aber der Kunde ist schließlich König. Neue Aufgaben sind auch im Bereich der Vermarktung und der Netze hinzugekommen, denn Windparks können nicht mehr einfach nur ihrem Strom einspeisen. Wir kümmern uns um die Direktvermarktungsschnittstellen – das sind die Schnittstellen zur Leistungsregelung für das Energieversorgungsunternehmen. Wir erstellen die Dokumentation der Daten vom Netzverknüpfungspunkt zum Direktvermarkter, und laden sie natürlich auch in unser Betriebsführungssystem. So kann der Betreiber kontrollieren, wie viele Kilowattstunden tatsächlich am Netzverknüpfungspunkt gemessen worden sind und ob sie auch zur Abrechnung passen.

Die Zukunft wird modularer, transparenter und flexibler

Es werden auch in Zukunft Änderungen auf uns zukommen. Langfristige Rund-um-sorglos-Verträge wird es in dieser Form nicht mehr geben. Jeder Betreiber hat inzwischen einen anderen Anspruch an seine Betriebsführung. Das liegt auch an den neuen Marktteilnehmern, die einiges selbst leisten können. Deswegen wird sich die Flexibilisierung der Betriebsführung fortsetzen. Wir werden immer mehr modulare Leistungspakete so zusammenschnüren, wie der Kunde sie braucht und laufend dem Rahmen der behördlichen und gesetzlichen Bedingungen anpassen. Die Branche wird transparenter werden. Wir haben vielen Kunden, die zu uns gewechselt sind, weil sie sich insbesondere durch unsere Transparenz sehr, sehr gut aufgehoben fühlen. Die Betriebsführer in der Branche dürfen sich nicht mehr davor scheuen, sich auch durch die Betreiber kontinuierlich überprüfen zu lassen. Denn es ist ja nicht unser Geld, das da draußen auf der Wiese steht; es sind nicht unsere Anlagen, sondern es sind Anlagen, die uns anvertraut worden sind. Es ist also das gute Recht des Eigentümers, uns zu jeder Zeit zu überprüfen.

Neue Aufgaben durch Netzdienstleistungen

Die Schnittstelle zu den Verteilnetzbetreibern und Übertragungsnetzbetreibern wird weiter professionalisiert. In den nächsten Jahren werden die Windenergieanlagen dem Stromnetz nicht mehr nur Wirkleistung zur Verfügung stellen, sondern auch Blindleistung. Für viele Kaufleute sind das Böhmische Dörfer. Aber schon seit der Systemdienstleistungsverordnung 2009 müssen neue Anlagen eine gewisse dynamische Netzleistung realisieren. Derzeit ist das ein autonomer Prozess, den die Anlagen durch die entsprechende Programmierung in der Software automatisch erledigen. Zukünftig wird es so sein, dass die Übertragungsnetz- und Verteilnetzbetreiber die Leistung zur Netzstützung auch aktiv anfordern werden, das heißt sie werden die Windkraftanlage ansteuern, um ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger Blindleistung zu bekommen. Für uns in der technischen Betriebsführung wird dann die Herausforderung sein, dem Verteilnetzbetreiber den Eingriff nachzuweisen. Denn wenn mehr Blindleistung zur Verfügung gestellt wird, kann weniger Wirkleistung eingespeist werden. Laut EEG wird aber nur die Wirkleistung vergütet. Es gibt hier noch Regelungslücken im Gesetz. Auch mit den Netzbetreibern müssen wir Regelungen finden, damit alle Player wissen, welche Einsätze sie füreinander dokumentieren müssen. Und ganz besonders spannend wird es dann wenn so ein Blindleistungsregler mal ausfällt. Derzeit können uns nicht einmal die Anlagenhersteller zuverlässig sagen wie deren Anlagen dann reagieren. Im Zweifel wird dann plötzlich so viel Blindleistung wie möglich zur Verfügung gestellt. Die wirtschaftlichen Folgen wären enorm. In Hinblick auf das Thema Wirkleistungsregelung können wir auf Erfahrungen aus der Direktvermarktung zurückgreifen. Der Direktvermarkter regelt auch die Windkraftanlage ab, wenn der Strompreis an der Börse negativ wird. Die Strommenge am Markt wird künstlich verknappt, damit der Preis wieder steigt. Anschließend muss sauber und vernünftig nachgewiesen werden, wer die Anlage abgeregelt hat. War es der Direktvermarkter aus ökonomischen Interessen oder war es der Verteilnetz- oder Übertragungsnetzbetreiber, der seine Stromnetze vor Überlast schützen musste? Solche Regeleinsätze finden immer häufiger statt, weil der Netzausbau stockt. Wir erstellen dann in der Betriebsführung die erforderlichen Abrechnungen nach dem sog. Spitz- oder Pauschalverfahren damit der Anlagenbetreiber den Ertragsausfall wegen mangelhaftem Netzausbau erstattet bekommt.

Herausforderung: Qualität der neuen Anlagentechnik und der Subunternehmer

Zwei letzte Punkte, die ich als ganz wichtig ansehe: Wir erleben, dass die Anlagentechnik immer weiter voranschreitet, aber wenig erprobte Technik im Feld aufgebaut wird. Es wird immer mehr beim Kunden getestet. Für uns ist es dann eine große Herausforderung, die Anlagentechnik im Griff zu behalten. In China nachgebaute Bauteile eines Triebstranges für eine Multimegawattanlage haben bislang nicht die Qualität der Originalbauteile. Zudem sind die Teile scheinbar nicht sorgfältig genug getestet worden. Aus Kostengründen ist das für den Hersteller natürlich attraktiv. In der technischen Betriebsführung müssen wir in solchen Fällen die Gewährleistungsansprüche der Eigentümer gegenüber dem Hersteller durchsetzen. Alle Anlagenhersteller setzen für bestimmte Instandhaltungsaufgaben Subunternehmer ein. Deren Qualität ist sehr unterschiedlich. Wir kontrollieren natürlich deren Qualifikation, da wir ja im Namen des Anlageneigentümers für den sicheren Betrieb der Anlagen einstehen. Die Anlagenhersteller versichern immer, dass sie nur entsprechende Fachkräfte einsetzen und sich von der Qualität des Subunternehmens überzeugt haben. Aber die Kollegen Servicemonteure, die dann tatsächlich vor Ort an der Windkraftanlage arbeiten, kommen dann zum Teil doch mit sehr interessanten Kenntnissen über die Anlagentechnik an. Wenn wir sie abfragen, haben wir schon manches Mal unsere Zweifel, ob sie wirklich so von den Anlagenherstellern geschult wurden, wie es erforderlich wäre.

 

 

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