Energiepolitik

Oh wie schön ist Panama…. So wie der Bär aus der Jugendgeschichte von Janosch haben wohl auch die deutschen Politiker seinerzeit reagiert als Ihnen bewusst wurde das durch den einsatz von erneuerbaren Energien zusätzliches Wirtschaftswachstum möglich wäre. Nach nunmehr über fünfzehn Jahren in dieser Branche muss ich mir mal das ein oder andere Geschichtchen welches ich wärend dieser Episode meines Berufslebens erlebt habe von der Sele schreiben. Mal sehen ob es am ende eher einem verträumten Sommermärchen oder einem Drama ähneln wird. Oder vieleicht auch was dazwischen…..

Als Joschka und Gerhard noch das sagen hatten.

Es war einmal… So ungefähr muss man ja anfangen wenn man bedenkt das die Zehn Jährigen von heute der Meinung sind, dass Mobiltelefone und das Internet vor wenigstens einhundert Jahren erfunden worden sind 😉  Da gab es eine Bundesregierung mit einem grünen Umweltminister. Und die hatten eine ganz klasse Idee. Und zwar sollte das seinerzeit schon existierende Stromeinspeisegesetzt so umgebaut werden das es ein Gesetz zur Förderung von erneuerbaren Enegergien (EEG) werden sollte. Allerdings gab es da so ein paar Probleme im Detail welche die Landesregierungen etwas Missmutig stimmte. Und zwar wurde in der Ursprungsversion des EEG eingetragen das es ein privilegiertes Bauen im Aussenbereich geben soll für alle Arten von Regenerativen Energie Erzeugungs Anlagen. Das bedeutete im Klartext, dass die Stromerzeugung in Bürgerhand gegeben werden sollte, denn jeder Grundstückseigentümer sollte die Möglichkeit erhalten auf seinem Grundstück nach den gesetzlichen Vorgaben des EEG eine PV-, Windkraft, oder Biogasanlage zu errichten und zu betreiben. Und darüber hinaus, sollte der Verteilnetzbetreiber (VNB) der seinerzeit noch schlichtweg Energieversorger genannt wurde, diese Anlagen auch anschließen müssen. Und der Betreiber der Anlage würde dann für zwanzig Jahre eine feste Einspeisevergütung erhalten von ca. 0,06-0,09€ pro geleistete kWh. Das war dann doch etwas zu viel „Revolution“ auf einmal für die Landesfürsten. Argumente wie „Es droht die Verspagelung der Landschaft“ und „Unzumutbare Landschaftsbildveränderungen“ etc. prägten die öffentliche Diskusion. Wobei die Meinung der Bürger zu dieser Zeit nicht eindeutig pro. oder contra dieser von Bundesebene vorgeschlagenen Regelung ausgefallen sind. Am ende fand man eine Lösung durch die man die Regelung der Bundesregierung weitgehend ausser Kraft gesetzt, und die Arbeitsplätze tausender Beamter in Deutschland für Jahrzehnte gesichert hat. / Ausweisen von  Konzentrationsflächen durch die Regionale Raumordnungsplanung. Klingt einfach. Ist es im Grunde auch. Ähm. nun ja. also Eigentlich…. Aber der Reihe nach kurz erklärt. Im Öffentlichen Planungsrecht legt der Landkreis fest wie er seine Fläche in den kommenden Jahren nutzen will. Und dies erledigt er durch das sog. Regionale Raum Ordnungs Programm (RROP) und er kann dabei dank unseres Föderalismus in Deutschland einige Entscheidungen von Bundesebene sagen wir mal… anders auslegen wie die juristen so schön sagen. Und das macht der Landkreis indem er sog. Konzentrationsflächen für Erneuerbare Energien in seinem RROP ausweist. Das wird dann ggf. (je nach Landkreis) noch unterschieden in Potentialflächen und Vorrangflächen und bevor im RROP etwas ausgewiesen werden kann, müssen natürlich noch ein halbes Dutzend Gutachter (dazu später noch die ein oder andere spaßige Geschichte…) und alle möglichen Träger öffentlicher Belange ihre Stellungnahmen dazu abgeben. Und nun zu dem „Trick“. Der Landkreis kann im RROP festlegen das ein Ausweisen von Konzentrationsflächen dazu führt, dass es KEIN Privilegiertes Bauen im Aussenbereich mehr in diesem Landkreis gibt. Wenn mann es ganz kätzerisch sagen möchte bedeutet das im Klartext sowiel wie: Wir als Landkreis wollen nicht das unsere Bürger sich selbst dezentral und bedarfsgerecht durch einzelne Anlagen die seperat verteilt sind ihren Strom erzeugen, daher planen wir als Landkreis große Flächen wo dann unnötig viele Anlagen auf einen Fleck gestellt werden können.  Bis das alles aber mal so klar wurde, waren dann auch schon mal wieder Bundestagswahlen. Es wurde gesehen das die Erneuerbaren energieen ein Wirtschaftsfaktor waren und man so etwas besser im Wirtschafts- als im Umweltministerium behandeln sollte und es wurden neue Weichenstellungen vorgenommen die dazu führten das der Zug Energiewende nicht auf der ICE Strecke sondern richtung Abstellgleis bugsiert wurde.

Mein Leben als Praxis Trainer (Arbeiten mit R.W.)

Die sogenannte Energiewende wird in erster Linie von Menschen vorangetrieben die es für sehr wichtig erachten das unser Planet in einem besseren oder wenigstens nicht in einem schlechteren Zustand an unsere Nachkommen übergeben wird. Daher spielten in den Anfängen der Wind- und Solarenergienutzung solche Gesetzlichen Regelungen wie etwa zur Festlegung der Arbeitszeit oder Lenkzeiten von Kraftfahrzeugen eher eine untergeordnete Rolle. Wir haben seinerzeit von morgens um Sieben auch mal bis nachts um halb Zwölf gearbeitet. Und wenn es erforderlich war das wir bis um halb Zwei noch mal ne Schippe drauf legen damit die Anlage dann aber endlich läuft…. Dann haben wir das auch gemacht. Wenn wir eine stehende Anlage gesehen haben an der wir auf dem Weg vorbei gefahren sind, wurde im Callcenter angerufen und gefragt ob die Kollegen da schon was von wisen. Wenn nicht. Umdrehen und ran fahren um die Anlage so schnell wie möglich wieder an´s laufen zu bringen.

Und das weil wir es aus Überzeugung gemacht haben das es schlichtweg eine richtig gute Sache ist das wir Strom ohne Kohle, Gas, oder Kernspaltung herstellen. Ein Beispiel dazu; Als mal eine Demo in Berlin abgedacht gewesen ist zu dem Thema Energiewende, sind wir mit hunderten Serviceautos von all Möglichen Anlagenherstellern nach Berlin gefahren um dort Flagge zu zeigen für unsere Sache. Ich bezweifele etwas das so etwas heute von den Unternehmen erneut durchgeführt werden würde. Leider verlassen die sich bzgl. Ihrer Gesellschaftlichen Verantwortung darauf das deren Beschäftigte die Gesellschaftliche Meinungsbildung nach Feierabend beitragen, aber bitte nicht während der Arbeitszeit. 

Allerdings war auch Damals nicht alles Gold was glänzte… Wir hatten bei dem Unternehmen wo ich beschäftigt, und als Praxis Trainer unterwegs gewesen bin, die Aufgabe neue Mitarbeiter im Service einzuarbeiten. Dabei gab es seinerzeit noch keine Spezialisierungen. Jeder Servicemonteur wurde von den „Ausbildern“ dazu in die Lage versetzt Rotorblätter, Getriebe, Generatoren zu tauschen, Software auf dem Anlagenrechner zu installieren und wie man neues Fett in die Lager einfüllt und das alte Fett aus den Lagern heraus bekommt. Um nur mal einen groben Abriss über das Leistungsspektrum zu geben. Und so trug es sich zu das ich eines Tages einen neuen Kollegen auf mein Auto bekommen habe zum Einarbeiten. Nennen wir Ihn hier mal RW. Das Kennenlernen von RW verlief bereits „seltsam“ denn mir ist bei der Begrüßung zum einen aufgefallen, dass RW einen seltsam labbrigen Händedruck bei der Begrüßung hatte, und des weiteren die ganze Zeit mit seinem ganzen Körper hin und her gezuckt hatte als hätte er einen unrund laufenden Herzschrittmacher in Armen und Beinen. Vielleicht auch im Hals, den sein Kopf pendelte ebenfalls in unregelmäßigen abständen hin und her. Was angesichts der Tatsache das all diese Bewegungen sporadisch eingesetzt haben wenig beruhigendes hatte. Es war in Summe zwar auffällig, aber nicht so sehr das ich den Gesundheitszustand von RW generell in Frage gestellt hätte. er war einfach… Etwas anders und Auffällig. Aber wie gesagt. Im ersten Moment noch nicht so als das ich hier erste Zweifel gehabt hätte. Was sich später noch ändern sollte….

Ich bin also mit RW herum gefahren und habe mit Ihm Wartungsarbeiten an diversen Windkraftanlagen durchgeführt. Als wir eines Tages an einer 850kW Anlage die Fettarbeiten durchführen wollten, sagte ich Ihm das er vorne in der Nabe die Lager abschmieren solle die sich dort befinden. RW machte sich sofort an die Arbeit und bewegte sich (durch die Anlagenbauart bedingt) schlangenartig in die Nabe. dort angekommen wurde mir gemeldet: „Daniel! Ich hab die Fettpresse vergessen!“ Nun ja. Das RW das ein oder andere Mal das ein oder andere Werkzeug vergaß war ich inzwischen gewohnt und ich fragte mich wann die Lernkurve bei Ihm wohl so weit angestiegen sein würde das er kein Werkzeug mehr vergisst. Schmunzelnd gab ich Ihm also die mit dem richtigen Fett gefüllte Fettpresse, da ein wieder heraus steigen lassen aus der Nabe von mir ganz schön arschig gewesen wäre und man so etwas unter Kollegen einfach nicht macht. Nach ca. drei bis fünf Minuten absoluter Ruhe fragte ich über die Nabe ob alles o.k. sei. Die Antwort kam prompt und lautete: „Wo ist den hier der Schmiernippel?!“. Ich dachte in dem Moment an das Körperzucken, das Werkzeugvergessen und wie so ein Mensch bisher durch sein Berufsleben gekommen ist. „Ganz hinten durch an der Wand. Dort wo die Pitchstange aus der Nabe raus kommt. Dort in dem Ring ist irgendwo an dessen Rand ein Schmiernippel der vermutlich auch mit einer roten Kappe abgedeckt ist.“ war meine Antwort.  RW: „Da ist nichts.“ Daniel: „Doooch! Schau mal genau hin. Oder greif mit der Hand hinten an die Wand und fühl mal rings herum. Da ist irgendwo ein ganz normaler Schmiernippel. Kein Flachschmiernippel, sondern ein ganz normaler so wie die bei den Klauenbalken im Azimutbereich auch sind.“. RW: „Wie sieht so ein Schmiernippel den aus?“ An dieser stelle wäre mir fast mein Frühstück wieder hoch gekommen. D arbeitet man über mehrere Tage an verschiedenen Anlagen zusammen und RW hat in dieser Zeit min. 50kg Fett aus diversen Handfettpresen in mehrere Dutzend Schmiernippel gepumpt und plötzlich hat er vergessen wie ein Schmiernippel aussieht??!! Leicht genervt habe ich Ihn aus der Nabe gebeten und Ihm an den Blattlagern gezeigt wie ein Schmiernippel aussieht. RW: „Ach die Dinger. Ja da ist einer. genau da wo du auch beschrieben hast. Aber da traue ich mich nicht hin, denn wenn ich da Schmiere und das Pitchsystem sich bewegt könnte ich mich verletzen.“ DS: „Ja stimmt. Du könntest sogar von mir zu Tode gequetscht werden wenn ich hier in dem Maschinenhaus auf den Not-Aus drücke wenn du in der Nabe bist. Deswegen muss man auch wissen was man hier oben macht und jetzt geh da rein und schmier das Pitchstangenlager ab. (nerv)“. RW: (den Tränen nahe) Nein, das geht nicht. Da kann sich was bewegen und ausserdem ist da auch altes Fett in der Nabe das mich voll schmutzig machen würde. Da muss man sich voll klein machen um da in die Nabe zu kommen. Usw.“. Ich hatte wenig Lust nachdem ich einen Standard Schmiernippel in das Gedächtnis von RW zurückholen musste, nun auch noch tiefgehende Gespräche mit Ihm darüber zu führen was ihm solche ein Unbehagen beim Pitchstangenlagerschmieren  bereitete. Also schnappte ich mir die Fettpresse nachdem er wieder im Maschinenhaus angekommen war und machte mich selbst schlangenartig (Erinnerung: 850kW Anlagen… Bauartbedingt.. 😉   ) auf den Weg in die Nabe. Vor dem Nabeneinstieg meldete ich RW das ich jetzt in das innere der Nabe gehe und er ab jetzt nichts mehr im Maschinenhaus bedienen solle, da ich ansonsten bekanntlich vom Pitchmechanismuss zu Brei verarbeitet werden würde. RW bestätigte mir dies und ich begab mich in die bekannt unbequemste Zwangslage welche man sich eigentlich nur exakt vorstellen kann, wenn man schon einmal im inneren einer Nabe einer 850kW Anlage zum abschmieren des Pitchstangenlagers gewesen ist. Dort angekommen steckte ich den Schmierschlauch der Fettpresse auf den Schmiernippel (der alles andere als schwierig  aufzufinden gewesen ist) und fing an das Lager mit frischem Fett zu versorgen.

Plötzlich und unerwartet bewegte sich der gesamte Pitchmechanismus in meine Richtung und verkleinere meinen Bewegungsradius sagen wir mal „signifikant“. Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig meinen gesamten Körper aus der Öffnung der Nabe zu zerren bevor der Pitchmechanismus den frei zur Bewegung verfügbar stehenden Raum auf etwas über 20cm. verkleinerte. Mit Adrenalin auf Maximum und sichtlich geschockt rief ich zu RW „Was war das denn? Haben wir nen Stromausfall oder so?!!“. RW: „Nö. alles gut. ich habe aber gerade gesehen das wir bei der Wartung noch die Not-Aus Tester testen müssen und dachte mir ich fange damit schon mal an….“ Zwischen der Ansage „Fass ja nichts an“ und dem betätigen des Not-Aus Schalters lagen keine Fünf Minuten. Nach ende der Wartungsarbeiten und wieder eingekehrter Entspannung fuhren wir zu unserem nächsten Einsatz und ich erfragte mir noch weitere Infos von RW um ihn besser kennen zu lernen und zu verstehen. So erfuhr ich u.a. das er eine Weiterbildung zum IHK Meister (Industrie) in Vollzeit gemacht hatte. Hmm. Eigentlich ja nicht schlecht. Also eigentlich auch besser qualifiziert als ich der ich nur einen Hauptschulabschluss und eine Abgeschlossene Handwerksausbildung habe. Aber irgendwie passt das Bild eines Meisters nicht zusammen mit dem was ich mit RW bis dahin erlegt hatte. Und es wurde noch besser….

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